Streicher, Julius

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Julius Streicher
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Julius Streicher

* 12. 02. 1885 Fleinhausen, † 16. 10. 1946 Nürnberg (hingerichtet); kath., 1938 gottgl.

 

1893 – 1901 Präparandenschule, Sept. 1901 – Juli 1903 Schullehrerseminar in Lauingen, 1902 – 19. 05. 1904 Aushilfslehrer in fünf Orten, 20. 05. – 31. 08. 1904 Aushilfslehrer in Akans, 01. 09. 1904 – 31. 12. 1906 Schulgehilfe in Wiggensbach, 01. 12. 1906 – 01. 10. 1907 Hilfslehrer in Lauingen, 01. 10. 1907 – 01. 10. 1908 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der 6. Kompanie des 3. Bayerischen Infanterie-Regiments, 01. 10. 1908 – 1909 Schulverweser in Mindelheim, 1909 – 1914 Lehrer an der Stadtschule in Nürnberg, 1914 – 1918 Kriegsdienst bei dem 6. Bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment, Adjutant bei der Gebirgs-MG-Abteilung 206 (dort zeitweilig Vorgesetzter des späteren Generalfeldmarschalls Erwin Rommel) und bei der Radfahrerkompanie 10 (West- und Südfront), zunächst Gefreiter, 1914 Unteroffizier d. R., Juli 1917 Leutnant d. R., Verwarnung wegen Disziplinlosigkeit.

01. 07. 1922 – 11. 12. 1923 Hauptlehrer am Scharrerschulhaus in Nürnberg, 16. 04. 1923 – 31. 08. 1944 Herausgeber und zeitweise Hauptschriftleiter des antisemitischen Hetzblatts "Der Stürmer", 1923 Teilnahme am Hitler-Putsch in München, 10. 11. 1923 verhaftet, aber schon am nächsten Tag freigelassen, 11. 12. 1923 (vorläufige) Suspendierung vom Schuldienst (unter Einbehaltung eines Drittels seiner Bezüge), 18. 01. – 27. 02. 1924 wegen "nationalbolschewistischer Umtriebe" in Schutzhaft in Landsberg (nach Aufstellung als Landtagskandidat der DAP Haftentlassung), 16. 12. 1925 Verurteilung zu zwei Monaten Gefängnis (wegen "fortgesetzten Vergehens der üblen Nachrede") durch das Schwurgericht am Landgericht Nürnberg (1), 23. 08. 1926 – Dez. 1927 in Haft, Mai 1928 Entlassung aus dem Schuldienst (mit Anspruch des Ruhegehalts) durch ein Urteil des Disziplinarhofes für nichtrichterliche Beamte in München.

01. 10. 1928 – 01. 03. 1929 Gauleiter des Untergaus Nürnberg-Fürth der NSDAP, 01. 03. 1929 – 13. 02. 1940 Gauleiter des Gaus Mittelfranken (ab 1936 Gau Franken) der NSDAP, 14. 07. 1931 wegen ungebührlichen Verhaltens für acht Sitzungstage aus dem Bayerischen Landtag ausgeschlossen, 1933 Vorsitzender des "Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze", 1933 Herausgeber der "Fränkische Tageszeitung" (Nürnberg), 10. 04. – 17. 07. 1934 Politischer Beauftragter der Staatsregierung für die Regierung von Oberfranken und Mittelfranken und mit deren Leitung beauftragt.

17. 07. 1934 Ablehnung der Ernennung zum Regierungspräsidenten von Ober- und Mittelfranken, 22. 09. 1939 – 13. 02. 1940 Mitglied des Verteidigungsausschusses des Wehrkreises XIII (Nürnberg), nach Ermittlungen der von Hermann Göring eingesetzten Untersuchungskommission wegen hemmungsloser persönlicher Bereicherung im Zusammenhang mit der "Reichskristallnacht" 1938 zunächst von Adolf Hitler mit Redeverbot belegt, dann am 16. 02. 1940 vom Obersten Parteigericht als "zur Menschenführung nicht geeignet" beurteilt und von der Führung der Geschäfte als Gauleiter entbunden, behielt aber den Titel und die Rechte eines Gauleiters, lebte danach bis 1945 auf seinem Gut Pleikershof bei Cadolzburg (Fürth).

April 1945 zusammen mit seiner Frau als "Kunstmaler Seiler" untergetaucht, 22. 05. 1945 auf einem Bergbauernhof bei Waidring (Tirol) von den Amerikanern verhaftet, 23. 05. 1945 in das Gefängnis Freising verlegt, 26. 05. 1945 nach Wiesbaden verlegt, 27. 05. 1945 zur Internierung überführt in das Central Continental Prisoner of War Enclosure in Mondorf (Luxemburg), 18. 10. 1945 – 01. 10. 1946 Angeklagter im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß, 01. 10. 1946 Verurteilung zum Tode durch den Strang und hingerichtet.

 

1911 Fortschrittliche Volkspartei (FVP), 1912 Redner für die FVP bei dem Reichstagswahlkampf, 22. 05. 1913 Mitglied der Vorstandschaft des Jung-Fortschritt Nürnberg, nach 1918 Mitglied des Bayerischen Lehrervereins, Febr. 1919 Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund, Nov. 1919 – Nov. 1921 Deutschsozialistische Partei (DSP), Nov. 1919 – Nov. 1921 (inoffizieller) Führer der Ortsgruppe Nürnberg der DSP, April 1920 – 1921 Mitglied des Reichsvorstands der DSP, 24. 06. 1920 – Okt. 1922 Herausgeber der Zeitung "Deutscher Sozialist" (ab Ende 1921 "Deutscher Volkswille"), 06. 06. 1920 Spitzenkandidat der DSP zur Reichstagswahl (Platz 1 der DSP-Reichsliste), 20. 11. 1921 – 19. 09. 1922 Deutsche Werkgemeinschaft (DW, Zusammenschluß mehrerer nationalistischer Verbände), 20. 11. 1921 – 19. 09. 1922 stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Nürnberg der DW, 08. 10. 1922 NSDAP und SA, 11. 10. 1922 Gründer der Ortsgruppe Hersbruck der NSDAP, 20. 10. 1922 Gründer der Ortsgruppe Nürnberg der NSDAP, 20. 10. 1922 – 09. 11. 1923 Vorsitzender der Ortsgruppe Nürnberg der NSDAP, 18. 12. 1923 Gründer der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), Bund aller arbeitenden Stände in Nürnberg, Juli 1924 Gründer des Schlageterbund e.V. ("Wachkommando Streicher"), 09. 07. 1924 – Febr. 1925 Erster Vorsitzender der GVG, 17. 07. 1924 Gründer der Ortsgruppe Nürnberg der GVG, 18. 07. 1924 Ausschluß aus der DAP, Aug. 1924 Ausschluß aus der Landtagsfraktion des Völkischen Blocks, 26. 10. 1924 Ausschluß aus dem Völkischen Block, 02. 11. 1924 – Febr. 1925 Mitglied des Vollzugsausschusses der GVG, 01. 01. 1925 – 1933 Stadtrat in Nürnberg, 1925 Wiedereintritt in die NSDAP (erhielt in den 1930er Jahren die Nr. 17), 1925 – 1933 Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe Nürnberg der NSDAP, 02. 04. 1925 – 30. 09. 1928 Gauleiter des Untergaus Nordbayern der NSDAP (Bevollmächtigter für die "Organisation der NSDAP in den Regierungsbezirken Mittel-, Unter- und Oberfranken"), 1924 – April 1933 MdL-Bayern (VB * Aug. 1924 fraktionslos * 1925 NSDAP), 1929 – 1932 Stadtrat in Nürnberg, 25. 08. – 15. 10. 1930 Haftstrafe wegen antisemitischer Agitation, Juli 1932 – 1945 MdR, Vorsitzender der Sektion Franken der Nordischen Gesellschaft, Leiter der deutschen Sektion der Antijüdischen Weltliga, Organisator der "Internationale der Antisemiten", Förderer des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland und anderer Institutionen, 09. 11. 1937 SA-Obergruppenführer. 

 

Bildnachweis: Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann, Bildnummer: hoff-3794/ hoff-3791.

 

Weitere Informationen:

BLO-Personensuche

GND 118619233

 

 


(1) Der Landtag hatte sich häufig mit der Immunität Streichers zu befassen; vgl. die Einzelnachweise in Geschichte des Bayerischen Parlaments.

 

Empfohlene Zitierweise:
Joachim Lilla: Streicher, Julius, in: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945, URL: <https://verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de/streicher-julius> (08. Oktober 2012).

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